PERSONALE MEDIZIN

Was ist Personale Medizin und wozu brauchen wir Personale Medizin? 

Wer sind wir? Welche Antworten darauf gibt uns das 21. Jahrhundert, welche Antworten geben wir uns selbst, und welche Konsequenzen haben diese Antworten für unser Gesundheitswesen: für Prävention, Diagnostik und Behandlung? für die Begriffe von Krankheit und Gesundheit? für das Verständnis von Hilfe-, Rat- und Trost-Suchenden wie auch für das Selbstverständnis von Studierenden, Pflegenden, Ärzten, Psycho- und Physiotherapeuten? sowie für unseren Umgang miteinander und mit Klienten, Ratsuchenden und Patienten? Und was hat schließlich all das mit Personaler Medizin zu schaffen?


Ein junger Begriff mit einer alten Tradition

Personale Medizin ist ein junger Begriff mit einer alten Tradition und einer verheißungsvollen Zukunft. Blickt man auf die Historie dieser Art der Heilkunde zurück, tauchen diverse Stationen und Traditionsstränge der abendländischen Geistes- und Kulturgeschichte auf, die wertvolle Anregungen und Impulse für die Personale Medizin gegeben haben.

Das medizinische Gesamtkonzept der Personalen Medizin wurde von Herrn Prof. Dr. med. et phil. Gerhard Danzer entwickelt, der jahrzehntelang in der Charité (Berlin) tätig war. Als Facharzt für Innere Medizin und Psychosomatik sowie als Diplompsychologe, Psychotherapeut und Honorarprofessor für Philosophie etablierte er im Klinikum die Personale Medizin – eine humane Medizin von Personen für Personen.

DIE INDIVIDUELLE KRANKHEIT UND GESUNDHEIT VON EINZELNEN ERFASSEN

Ebenfalls schon in der griechischen Antike war zu beobachten, dass sich medizinisches Handeln und philosophische Reflexion nicht ausschlossen, sondern im Gegenteil sich gegenseitig befruchteten. Viele Phänomene der Medizin (Körper, Seele, Leben, Tod, Krankheit, Gesundheit, Leid, Lebensqualität etc.) bedeuteten für die Philosophen Anlass zu umfänglichen Überlegungen, wie andererseits die griechisch-antike Philosophie Konzepte formulierte, die sich für den medizinischen Alltag als inspirierend erwiesen (die stoische Ataraxie / Meeresstille der Seele; das epikureische Carpe diem; der Begriff des Maßes etc.). 


So galt es bereits in der griechisch-antiken Medizin als hoher Wert, jeweils die individuelle Krankheit und Gesundheit von Einzelnen zu erfassen und (mit den beschränkten damaligen Mitteln) zu behandeln. So sehr wir heute über manche seinerzeitigen medizinischen Konzepte lächeln, so sehr deklariert die Personale Medizin die Kunst des Individualisierens als eine bedeutsame und wesentliche Herangehensweise an jeden Patienten. Mögen sich auch die Krankheiten ähneln, unterscheiden sich doch die jeweiligen Kranken eklatant. Den kranken Menschen als je Einzelnen mit vielen seiner persönlichen Facetten zu diagnostizieren und zu behandeln, ist erklärtes Ziel der Personalen Medizin.

In der Personalen Medizin kehrt die enge Verzahnung von medizinischer Handlung und philosophischer Reflexion wieder. Einige philosophische Richtungen des 20. Jahrhunderts haben sich dabei als besonders relevant und stimulierend für die Medizin erwiesen: Phänomenologie, Lebensphilosophie, Hermeneutik, Anthropologie, Existentialismus. Sie tauchen mit vielen ihrer Begriffe, Konzepte, Fragestellungen in der Personalen Medizin auf und helfen, die konkrete Diagnostik und Behandlung von individueller Krankheit und Gesundheit über das biomedizinische Niveau hinaus anzuheben.

Medizinische Haltung und Philosophische Reflexion

Einige Philosophen wie auch Mediziner und Psychologen haben aus dieser Kooperation heraus im 20. Jahrhundert auch den Begriff der Person bedacht und beschrieben. Im deutschsprachigen Raum waren es Philosophen wie Nicolai Hartmann und Max Scheler, Psychologen wie William Stern und Ärzte wie Friedrich Kraus, Theodor Brugsch (beide Berlin) und Oswald Schwarz aus Wien, die sich um die Beschreibung von Person und Personalität bemühten. 


Diese frühen Vertreter des Personalismus und Stichwortgeber für die Personale Medizin waren stark von Lebensphilosophie (Friedrich Nietzsche, Wilhelm Dilthey, Henri Bergson), Phänomenologie (Edmund Husserl, Maurice Merleau-Ponty) und Existenzphilosophie (Sören Kierkegaard, Martin Heidegger, Karl Jaspers, Jean-Paul Sartre) beeinflusst. Daneben integrierten sie Modelle und Forschungsergebnisse der damals modernen Biologie (Hans Driesch, Adolf Portmann, Johann Jacob von Uexküll) und der aufkommenden Anthropologie (Helmuth Plessner, Frederic Buytendijk, Arnold Gehlen). 


Zu den Phänomenen und Themen, die von diesen Anthropologen, Philosophen, Biologen und Ärzten bedacht und erforscht wurden, zählten: Krankheit und Gesundheit; Helfen und Heilen; das Verhältnis von Leib und Seele; Freiheit und Determination; Zufall und Schicksal; Leben und Sterben; das Erleben von Zeitdimensionen und Identität; Bewusstsein und Selbstbewusstsein; Pflege und Fürsorge; Selbstwerdung und Selbstentfremdung.

Während des Zeitalters der Renaissance entwickelte sich in Europa eine philosophisch-weltanschauliche Haltung und Einstellung, die das Menschliche bereits in ihrem Namen enthalten trägt: der Humanismus. Dieser will Homo sapiens weder übermenschlichen Mächten und Wahrheiten noch untermenschlichen Zielsetzungen und Zwecken opfern oder unterstellen. Dem Humanismus geht es um eine Form der Existenz, die weitgehend frei von Selbstentfremdung dem Einzelnen hohe Grade an Selbstbestimmung und Person-Werdung ermöglicht.


Als prominente Vertreter des Humanismus galten in der Epoche der Renaissance Dante, Petrarca, Pico della Mirandola, Michel de Montaigne, Thomas Morus und Erasmus von Rotterdam. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Neuhumanismus, der von der Wiederentdeckung vieler Ideale und Werte der griechischen und römischen Antike geprägt war. Goethe, Schiller, Herder, Wieland, die Brüder Humboldt sowie Lessing sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Im 20. Jahrhundert wurde mit dem Begriff des Humanismus oft ein bestimmter Bildungskanon gekennzeichnet; daneben hat ihn Jean-Paul Sartre in Der Existentialismus ist ein Humanismus (1946) im ursprünglich emanzipatorischen Sinn des Wortes verwendet.


Die Personale Medizin fußt insofern auf dem Humanismus, als sie sich dem Ideal einer möglichst umfänglichen autonomen Daseinsgestaltung eines jeden Individuums verpflichtet weiß. Krankheiten aller Art entstehen bisweilen aufgrund eng begrenzter Freiheits- und Autonomiegrade des Einzelnen – und sie führen häufig zur Reduktion derselben. Eine adäquate und umfängliche Diagnostik und Therapie von Patienten darf und soll deren eventuell eingeschränkte Selbstbestimmungs-Spielräume erfassen und soweit wie möglich kompensieren helfen. Dies gelingt, wenn Ärzte, Pflegende, in der Medizin Tätige ihren Patienten mit partizipativer (die Teilhabe und Autonomie des Gegenüber stärkender) und nicht mit paternalistischer (die Verantwortung und Selbstbestimmung des Gegenüber minimierender) Einstellung und Haltung begegnen.


Ebenfalls für die Personale Medizin relevant sind die Überlegungen des evolutionären Humanismus. Diese Bezeichnung geht auf Julian Huxley (1887-1975) zurück, der in Der evolutionäre Humanismus – Zehn Essays über dessen Leitgedanken und Probleme (1961) den Menschen als eingebettet in die Gesamt-Evolution von Kosmos und Natur sah. Der Gedanke der Entwicklung des Humanen durchzieht auch Kulturen und Sozietäten und kann ebenso bei jedem Individuum verortet werden, dem die Personale Medizin das grundsätzliche und bis ins hohe Alter vorhandene Potential von Veränderung und weiterer Evolution zugesteht.


Auch die Aufklärungsepoche, das Zeitalter des Lichts und der Vernunft, hat das Denken und Handeln der Personalen Medizin geprägt. Aufklärungsimpulse sprießten in Europa bevorzugt im 18. Jahrhundert, wobei deren Promotoren in der Regel Philosophen, Literaten und Neu-Humanisten waren. Sie einte ihre kritische Einstellung Autoritäten, Herrschenden und Herrschaftsstrukturen gegenüber, mochten diese weltlicher oder kirchlicher, physischer oder metaphysischer Natur sein. Die Götterwelt der griechischen Mythen wurde dabei ebenso wie christliche Gottheiten, der Papst oder die absolutistisch Herrschenden mit fundamentalen Fragezeichen versehen. Aufklärung bedeutete Kritik, und die alles in Frage stellende Kritik bedeutete Transparenz in Bezug auf himmlische wie irdische Verhältnisse.


Was bei bisherigen Versuchen, bei Menschen ihr aufgeklärtes, autonomes, kritisches und humanes Denken, Urteilen und Handeln zu fördern, meist unterschätzt wurde, war und ist das emotionale und soziale Wurzelgeflecht der Vernunft. Wer Aufklärung und Vernunft lediglich als kognitive Prozesse begreift, verfehlt ihr Wesen und muss sich über die ausbleibenden Effekte nicht wundern. Vernunft ist kein eindimensionales Konzept; will man die eigene oder die Vernünftigkeit von anderen steigern, darf und muss man Größen wie Charakterstruktur, Emotionalität, soziale Einbettung und Verbundenheit, Umgang mit Impulsen und Affekten, Wertorientierungen, Welt- und Lebensanschauungen sowie Angst und Anlehnungsbedürfnisse der Betreffenden mit ins Kalkül ziehen. 


Ein eigenwilliger Nachfahre der Aufklärer des 18. Jahrhunderts war Sigmund Freud. Man mag von psychoanalytischen Begriffen und Konstrukten halten, was man will – das Anliegen Freuds, einzelne Patienten wie auch Sozietäten und ihre Kulturen instand zu setzen, vernünftig über sich nachzudenken und so einen Prozess der Selbstaufklärung zu bestreiten, findet sich auch in der Personalen Medizin wieder. Die Stimme der Vernunft ist leise, meinte Freud; aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft. Damit waren Selbstvergewisserung und Selbstermächtigung zu zentralen Anliegen der psychoanalytischen Aufklärungs-Bemühungen avanciert und zielten vor allem auch auf unbewusste, irrationale Anteile und Aspekte der Betreffenden ab. 


Ähnlich wie Freud beabsichtigt auch die Personale Medizin eine Atmosphäre von Aufklärung und Vernunft, Emanzipation und Kritik zu etablieren, in der für Patienten wie für alle in der Medizin Tätigen Prozesse von Selbst-, Menschen- und Weltkenntnis ermöglicht werden. Die Aufklärungsbemühungen umfassen dabei Rationales wie Irrationales, Bewusstes wie Unbewusstes sowie Persönlich-Individuelles und Sozial-Kulturelles. Das kritische Interesse und Potential darf deshalb auf die eigene Werdens-Geschichte ebenso wie auf Kulturanalyse und die sozioökonomischen Rahmenbedingungen von Krankheit und Gesundheit abzielen.


Vernunft ereignet sich in der Regel nicht (nur) im Einzelnen, sondern vor allem zwischen den Menschen, und wer sich Aufklärung und Vernunft auf seine Fahnen schreibt, darf und muss sich parallel dazu überlegen, wie Gemeinschaftsgefühl respektive Common sense (ein zentraler Begriff in Alfred Adlers Individualpsychologie) bei Menschen ermöglicht und gesteigert wird. Auch den umgekehrten Fall (Einzelne sind überzeugt davon, dass allein ihr solipsistisches Denken vernünftig sei, und lassen sich diesbezüglich nicht korrigieren) hat Adler bereits beschrieben: Er nannte derlei Privatlogik. Menschen sind generell vor Privatlogik nicht gefeit, wobei ein Übermaß davon in manchen psychiatrischen Krankheitsbildern mit wahnhaften Überzeugungen enthalten ist.


Das 19. Jahrhundert sah im Abendland eine entschiedene Hinwendung der Medizin zu den Naturwissenschaften, speziell zu Biologie, Chemie, Physik, zu Physiologie, Anatomie und Biochemie – eine Hinwendung, die unter anderem als Reaktion auf die überschießend spekulativ orientierte romantische Medizin erfolgte. Die Impulse und Vorstellungen der Letzteren (Namen wie Novalis, Brown, Hahnemann, Carl Gustav Carus, Schelling, Johann Lukas Schönlein, Andreas Röschlaub, Christoph Wilhelm Hufeland sind hier erwähnenswert) wurden von der Ersteren (z.B. in Person von Johannes Müller, Emil du Bois-Reymond, Ernst Wilhelm von Brücke und anderen Ärzten) erfolgreich und nachhaltig kupiert, indem das nüchterne, punktgenaue, Empirie-geleitete Denken und Handeln der Naturwissenschaften Einzug in die Medizin halten durfte.


Was für ein Segen, was für eine Weichenstellung hin zu jener Erfolgsgeschichte der abendländischen Medizin während der letzten zwei Jahrhunderte, die mit ihren Fortschritten und Meriten zu Recht bis auf den heutigen Tag den würde- und anspruchsvollen Titel der Schulmedizin für sich reklamiert. Aus den ersten, noch suchenden Schritten dieser naturwissenschaftlich orientierten Heilkunde sind längst verlässliche und stabile Pfade der Prävention, der Diagnostik und Therapie geworden, die von uns im 21. Jahrhundert hinsichtlich ihres überragenden Wertes nicht immer nur korrekt eingeschätzt werden, da sie inzwischen regelrechte Selbstverständlichkeiten bedeuten – von der Fertilisationsmedizin bis zur Gen-Schere, vom implantierbaren Gehirn-Schrittmacher bis zur Knochenmark-Transplantation und bis zur mikrochirurgischen Intervention mit dem 


Die Personale Medizin nun steht zuallererst und konkurrenzlos auf dem Boden dieser Schulmedizin; sie ist in keinerlei Hinsicht Para- oder Alternativmedizin. Die Traditionen und die Errungenschaften der abendländisch naturwissenschaftlichen Heilkunde bilden das Fundament der Personalen Medizin. Wer Personale Medizin lernen und betreiben will, tut deshalb gut daran, über eine ausnehmend solide Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Schulmedizin zu verfügen und dieselbe ausnehmend wertzuschätzen.


Wertschätzung heißt allerdings nicht, die Auf- und Auslassungen der Schulmedizin zu übergehen. Die entschiedene Hinwendung zu den Naturwissenschaften war hilf- und segensreich für die abendländische Heilkunde der letzten beiden Jahrhunderte – sie bedeutete jedoch auch ein paradigmatisches Denken und Handeln, das sich auf Formeln wie l’homme machine (der Mensch als Maschine) stützte und Patienten (Menschen) als komplexe biomedizinische Organismen begriff.


So verständlich und erfolgreich diese Sicht- und Herangehensweise in der Schulmedizin der vergangenen Jahrzehnte zur Anwendung gelangte, so sehr wurde und wird dieses Paradigma von Patienten wie auch von im Medizinalbereich Tätigen als nicht hinreichend in Frage gestellt. So entwickelte vor allem die Psychosomatik Mitte des letzten Jahrhunderts ein erweitertes anthropologisches Konzept, das biopsychosoziale Modell des Menschen. Nicht nur Krankheiten, sondern kranke Menschen sollten in ihren körperlichen wie auch seelischen und sozialen Aspekten wahrgenommen, diagnostiziert und falls nötig auch therapiert werden.


Ludolf von Krehl, Viktor von Weizsäcker, Kurt Goldstein, Gustav von Bergmann und Arthur Jores (die aus der Inneren Medizin oder Neurologie stammten) sowie Georg Groddeck, Franz Alexander, Flanders Dunbar und Alexander Mitscherlich (die aus der Tiefenpsychologie zur Psychosomatik stießen) entwickelten eine Theorie und Praxis der Heilkunde, die ihr Ziel in der (Wieder-)Einführung des Subjekts in die Medizin (Viktor von Weizsäcker) ansah. Flankiert wurden ihre Bemühungen von Stressforschern wie Walter Cannon, Hans Selye und Richard Lazarus sowie von philosophisch geschulten Psychiatern wie Erwin Straus, Viktor Emil von Gebsattel, Eugen Minkowski, Ronald D. Laing, Medard Boss und Ludwig Binswanger (Daseinsanalyse). Eine Fülle innovativer Beschreibungen des Menschen in Krankheit und Gesundheit geht auf ihre Initiative zurück.


Die Personale Medizin darf als Weiterentwicklung der psychosomatischen Innovationen und des biopsychosozialen Anthropologie-Modells verstanden werden. Sie übernimmt aus der Psychosomatik die grundsätzliche Orientierung an der subjektiven Seite von Krankheit und Gesundheit (z.B. Krankheitskonzept des Patienten; Coping-Strategien; Stimmungen und Verstimmungen; Narzissmus und Selbstwertregulation; Befindlichkeit) und verknüpft diese Seite mit den biomedizinischen Befunden des Patienten. Außerdem integriert sie Konzepte und Ideen wie sprechend-zuhörende (narrative) Medizin, Heilkunde der Beziehung (Resonanz, Passung), Erweiterung des therapeutischen Spektrums (Gesprächstherapien, Kreativtherapien, körperzentrierte Verfahren) und der wissenschaftlichen Fragestellungen (z.B. Psychoneuroimmunologie, Psychokardiologie, Psychoonkologie).


Darüber hinaus geht die Personale Medizin aber von einem nochmals erweiterten und komplexeren anthropologischen Konzept als die Psychosomatik aus. Menschen sind (potentiell) stets Personen und als solche neben ihren organismischen (materiellen, biologischen) Aspekten auch mit psychosozialen sowie mit soziokulturellen Aspekten (Logos, Vernunft, Wertorientierung) charakterisiert. Emotionale und intellektuelle Bildung, Welt- und Lebensanschauung (sense of coherence), Sinn-, Wert- und Bedeutungszuschreibungen, zeitliches und räumliches Identitäts-Empfinden, autonomes Denk- und Urteilsvermögen, Fähigkeit zu aufgeklärt-humanistischer Daseinsgestaltung, Verantwortungsübernahme für sich, für Mitmenschen wie auch für Teilaspekte der Kultur – alle diese Facetten bedeuten personale Qualitäten am Menschen.


Die Personale Medizin beabsichtigt in ihren diagnostischen Bemühungen zu klären, inwiefern bei konkreten Patienten im Vorfeld oder als Folge ihrer Krankheiten einige oder viele dieser Qualitäten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die therapeutischen Akzentsetzungen zielen neben einer Beseitigung oder Abmilderung von Symptomen und Krankheitszeichen (günstigenfalls restitutio ad integrum) auch auf eine Wiederherstellung personaler Qualitäten ab (restitutio ad personam). Und die (Primär-)Präventivmaßnahmen der Personalen Medizin erstrecken sich weit über eine adäquate Ernährung und Bewegung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hinaus auf deren Möglichkeiten einer adäquaten emotionalen und intellektuellen Förderung und Bildung, so dass sie in die Lage versetzt werden, ihr Dasein und ihre Existenz selbstbestimmt und zugleich (im eben beschriebenen Sinne) verantwortungsvoll gestalten zu können.